ÖBFD-Medien

Als Bufdi im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Freiwilligendienst statt Arbeitslosigkeit

04.01.2016

Der Bundesfreiwilligendienst ist für alle Bürger in Deutschland eingerichtet worden – egal ob jung oder alt. Jeder, der sich für das Allgemeinwohl einsetzen möchte, kann ein so genannter Bufdi werden. Sylvia Tiegs stellt eine junge Bundesfreiwillige im Nordosten Brandenburgs vor, die sich für ein Umweltprojekt engagiert.

Im Sernitzmoor wabert überall der Nebel. Friederike Zahn hat einige Mühe sich zurechtzufinden. Da hilft nur Humor – denn die Bundesfreiwillige hat hier eine Mission. Sie hilft seit vergangenem Mai mit, das Moor als Lebensraum für bedrohte Vögel wieder herzustellen. „Ich bin froh über den Job und darüber, dass ich etwas Sinnvolles machen kann. Es macht mir Spaß mit dem Team zu arbeiten und dem Projekt ein Stück weit zu helfen“, sagt Zahn.

Friederike Zahn ist Biologin mit dem Spezialgebiet Arten- und Naturschutz. Und sie ist arbeitslos. Eine richtige, voll bezahlte Stelle hat die 26-Jährige nach dem Masterabschluss nicht gefunden. Aber das EU-Projekt „Schreiadler“ im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin suchte noch nach einem Bundesfreiwilligen. Friederike Zahn griff zu. „Ich wollte nach fünf Jahren Studium wirklich etwas Praktisches machen und herausfinden, wie Naturschutz in der Realität quasi so läuft“, sagt Zahn.

Mit einem Dutzend Pegelrohre durchs Biosphärenreservat

Die Biologen des „Schreiadler“-Projekts sollen das trockengelegte Sernitzmoor bei Angermünde wieder verwässern, also „feucht machen“. Friederike Zahn muss dazu regelmäßig den Grundwasserstand kontrollieren. Einmal im Monat marschiert sie mehr als ein Dutzend Pegelrohre im Moor ab. Mit einem Lichtlot misst sie die Wasserstände und trägt mit klammen Fingern, aber gewissenhaft jeden Pegel ins Messprotokoll ein.

Wenn das erledigt ist, fährt sie ins Büro nach Angermünde und kümmert sich dort unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts. Sie ist auch bei Gesprächen mit Landwirten und Behördenvertretern dabei, kümmert sich um den Ankauf von Flächen und unterstützt die festen Mitarbeiter im Projekt, wo sie kann.

Hoffnungen auf berufliche Chancen nach der Bufdi-Zeit

Für ihre Arbeit als Bundesfreiwillige bekommt Friederike Zahn 200 Euro pro Monat. Das Geld darf sie zusätzlich zum Arbeitslosengeld II verdienen. Viel ist es nicht, trotzdem lohnt sich für sie der Dienst. „Ich habe zwischen Abitur und Studium schon mal drei Monate lang an der Kasse im Baumarkt gesessen. Ich weiß, wie es da ist. Das Projekt hier bringt mich wesentlich weiter. Ich lerne so viel kennen und es ist wirklich schön“, so Zahn.

Als Biologin behält sie zudem weiter den Kontakt zu ihrem Berufsfeld, sie lernt neue Menschen kennen und knüpft Kontakte. Vielleicht ergibt sich ja was? „Es wäre schön, eine feste Anstellung zu kriegen. Andererseits kann ich es mir genauso gut vorstellen, die eineinhalb Jahre fertig zu machen“, sagt Zahn.

(Dieser Text ist Teil der Serie „Fünf Jahre Bundesfreiwilligendienst“ des rbb-Inforadios.)

Link: rbb

 



 

Gips gibt´s in der Gipsfabrik – oder wo?

Seminartag in Sperenberg am 21.09.2016

Eine Exkursion in die Sperenberger Gipsbrüche ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis, doch bei Sonne im späten September mit milden Temperaturen ein Genuss.

Ausgerüstet mit Fernglas, Geologenhammer, historischen Fotos und ausreichend Proviant begibt sich unsere kleine Gruppe, allesamt Teilnehmer im ökologischen Bundesfreiwilligendienst, den Mühlenweg hinauf bis zum Aussichtsturm auf dem Gipsberg. Von dort oben haben wir einen großartigen Blick bis nach Berlin auf der einen und in den Niederen Fläming auf der anderen Seite. Vor uns glitzert den Neuendorfer See im Mittagslicht. Doch wir steigen hinab durch die dunkle, steile Schlucht bis zum felsigen Wandfuß. Felsen in Brandenburg, nur an drei Stellen zu bestaunen, hier stehen wir tatsächlich davor. So kommt Gips in der Natur vor und wurde noch bis zum Ende der fünfziger Jahre hier abgebaut.

Nicht wieder zu erkennen sind heute die ehemaligen Tagebaulöcher. Nach dem Einstellen des Gipsabbaus liefen die Tiefbaue mit Wasser voll, eine artenreiche Flora und Fauna nahm das gesamte Gelände in Besitz. Am Ufer tauchen die Frösche ab, ein Kormoran segelt über dem Wasser, Bienen und Hummeln summen auf den Trockenhängen umher, ganz oben kreist der Bussard, reife Beeren von Liguster, Weißdorn und Schlehe leuchten gegen den blauen Himmel.

Am Picknickplatz nahe des ehemals tiefsten Bohrlochs der Welt versuchen wir uns im Gipsbrennen. Und tatsächlich gewinnen wir das weiße Pulver, wie wir es aus dem Baumarkt kennen.

Unser Weg führt uns über den Gipsweg zum Sperenberger Kirchhof. Dort machen wir es uns unter dem 250-jährigen Maulbeerbaum bequem und lassen ihn aus seiner ereignisreichen Geschichte erzählen. Wir lauschen andächtig und hören von Seidenspinnerei im alten Preußen, von leckeren Früchten und wertvollen Raupenkokons.

Das Schlagen der Kirchturmuhr versetzt uns wieder ins Hier und Jetzt und erinnert uns an die Abfahrtszeiten von Bus und Bahn. Also dann bis zum nächsten Seminartag irgendwo im schönen Brandenburg.

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Ins Moor – und auch wieder heraus

Seminartag am Hölzernen See am 9.November 2016

Was ist ein Moor, wie entsteht es, sollte man es schützen und was hat das Ganze mit Nachhaltigkeit zu tun? Mit diesen Fragen begeben wir uns bei frostiger Kälte und Sonnenschein ins Moor am Förstersee bzw. an dessen Rand entlang.

Mit dem Bodenbohrstock fördern wir den Stoff aus dem die Moore sind zu Tage – hoch zersetzter, dunkler, erdig riechender Torf. Und obenauf sehen wir den Teppich aus Torfmoosen wie ein Mosaik aus vielen verschiedenen Grüntönen. Da seit einigen Jahren der Wasserstand im Moor wieder angehoben wurde, ragen die bis dahin gewachsenen und nun abgestorbenen Grauerlen mit ihren kahlen Ästen in den blauen Himmel. Bei Nebel wär´s mit Recht oh, schaurig übers Moor zu gehn.

Doch wir stellen uns in die noch etwas wärmende Sonne und widmen uns den weißen Stämmen der Birken. Die Birke als Überlebensbaum und Pioniergehölz leuchtet mit kräftig gelbem Herbstlaub. Birkentee und Birkenwasser, Reisigbesen und Birkenpech, Behältnisse aus Birkenrinde bis hin zum Rindenkanu – all das liefert uns die Birke. Selbst das frisch geschlagene Holz lässt sich als wärmendes Lagerfeuer aufschichten. Ob allerdings die Haare besser sprießen beim Gebrauch von Birkenwasser, sei dahingestellt. Wir tragen heute eh alle Mützen und machen uns weiterhin auf die Suche nach den Phänomenen am Wegesrand.

Uns fällt ein kleiner immergrüner Strauch ins Auge. Seine schmalen Blätter riechen beim Zerreiben intensiv nach ätherischen Ölen. Seine Wirkung soll berauschend sein und für seine Bezeichnung gibt es mehr als vierzig verschiedene Namen. Es ist der seltene Sumpfporst, der hier noch an einigen Stellen sein Vorkommen hat.

Wir gehen weiter und blicken auf die offene Wasserfläche des Förstersees als wir am Rand des kleinen Verlandungsmoores angelangt sind. Beim Blick über die Moorlandschaft bewegen uns drei Zahlen: 3% der Landoberfläche der Erde sind lediglich mit Mooren bedeckt aber sie speichern nicht nur große Mengen an Wasser sondern auch 30 % des terrestrischen Kohlenstoffs. Diese gigantischen Kohlenstoffsenken setzen bei Trockenlegung, intensiver land- oder forstwirtschaftlicher Nutzung das klimaschädliche Kohlendioxid in großen Mengen frei. Dazu kommt der Verbrauch von Torf als Blumen- und Gartenerde von über 3 Millionen Kubikmetern pro Jahr in Deutschland.

Was also können wir tun zum Schutz der Moore? Das, was wir in unserer Runde zusammentragen sind zwar kleine aber wichtige Schritte: nur noch torffreie Blumenerde kaufen, den eigenen Kompost nutzen, sich Wissen über die Moore aneignen und dieses Wissen bei Exkursionen an Freunde und Bekannte weitergeben. So, wie wir es heute gemacht haben. Das ist gelebte Nachhaltigkeit.

Am Ende des Seminars kehren wir in das Haus des Wassers auf dem Gelände des KIEZ Hölzerner See ein, erfahren noch so Einiges über die Lebenswelt im und am Moor und wärmen uns bei einer heißen Suppe wieder auf.

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Der erste Schnee

Seminartag in Blankenfelde am 17. Januar 2017

„Für manche der Kinder ist es bestimmt der erste Schnee.“, meint Ramona, als wir mitten im Wald auf einem kleinen verschneiten Hügel stehen. Schlittenspuren führen hinab, eine selbstgebaute „Bude“ lehnt an einer Kiefer. Hier treffen sich regelmäßig die Kinder aus dem nahen Flüchtlingsheim, hier haben sie viel Platz zum Spielen und können der Enge des Heims entfliehen. Geflohen sind sie mit ihren Eltern schon einmal. Sie kommen z.B. aus Afghanistan oder Syrien. Mit Ramona erkunden sie den Wald zu jeder Jahreszeit und lernen so ihre neue Umgebung und auch ein wenig die fremde Sprache kenn. Denn meist verständigen sie sich noch mit Händen und Füßen. „Aber das geht schon immer irgendwie.“, sagt Ramona schmunzelnd. Sie ist im Waldhaus Blankenfelde, dem Sitz des Landschaftspflegevereins Mittelbrandenburg e.V. tätig und nimmt am Ökologischen Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug teil. Sie berichtet uns von ihrer Arbeit mit den Kindern. Es ist ein teils mühsamer Weg von den ersten Begegnungen mit den Geflüchteten, dem schrittweisen Aufbau des gegenseitigen Vertrauens bis hin zu den regelmäßigen Treffen. Aber es ist für die Kinder und ihre Familien ein so wichtiger Schritt, um halbwegs zur Normalität zurückzukehren.

Unser Weg führt uns nach einer rasanten Rutschpartie vom Rodelberg zum Glasowbach. Dort erleben wir zusammen mit Clara, was man im Winter noch so im Wald machen kann. Clara ist die zweite Freiwillige, die derzeit im Landschaftpflegeverein tätig ist. Sie ist Teilnehmerin im Freiwilligen Ökologischen Jahr, auch oft mit Schulkindern unterwegs und widmet sich mit ihrem Jahresprojekt der Mülltrennung im Waldhaus.

Als uns die Kälte trotz des wunderbaren Sonnenscheins langsam bibbern lässt, kehren wir zum Waldhaus zurück. In der Grillhütte wartet schon das wärmende Lagerfeuer. Wir brutzeln Würstchen und schlürfen heißen Tee. Und als wir dann alle zusammen rund um die Feuerschale sitzen, tauschen wir unsere guten Vorsätze für das neue Jahr aus. Was wollen wir tun, für uns selbst und für unsere Umwelt, die ja nicht nur aus der Natur mit ihren Gütern, sondern auch aus unseren Mitmenschen besteht. Viele tolle Ideen machen die Runde und wenn wir davon auch nur einen kleinen Teil umsetzen könnten, wird es bestimmt ein gutes Jahr 2017.

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Steinkauz, Wolf und Regenschauer

Seminartag im Wildgehege Glauer Tal am 21. März 2017

Der Naturpark Nuthe-Nieplitz empfängt uns mit einem kräftigen Regenguss. Da suchen wir schnell Zuflucht im NaturParkZentrum. Dort haben wir es warm, ein Dach über dem Kopf und können den Ausführungen von Elisabeth Hofmann, der Leiterin des Besucherzentrums lauschen, die uns den Naturpark, das NaturParkZentrum und die Arbeit des Landschafts-Fördervereins Nuthe-Nieplitz Niederung vorstellt. So erfahren wir Spannendes von wandernden Wölfen und von wiederangesiedelten Steinkäuzen. Inzwischen hat der Regen nachgelassen und wir begeben uns auf eine Pirsch in das Wildgehege Glauer Tal. Wir begegnen einer Landschaft im Wandel – vom einstigen Truppenübungsplatz zum Wildgehege, vom kriegerisch Lauten zum friedlich Ruhigen. Das macht das Wildgehege heute aus. Rot-, Dam- und Muffelwild sind die Landschaftspfleger und die Besucher dürfen ihnen dabei zusehen. Das machen auch wir vom ehemaligen Kommandoturm aus. Wir lassen den Blick schweifen und genießen das Frühlingskonzert der Vögel. Der Weg zurück führt uns durch die Glauer Felder zum Besucherzentrum, wo schon der heiße Kaffee auf uns wartet. Wir lassen uns im Seminarraum nieder und tauschen uns aus. Was gibt es in den Einsatzstellen Neues? Welche Arbeiten stehen für jeden an? Und am Ende laden die Innenausstellung und der Regionalladen des Besucherzentrums zum Spielen und Stöbern ein.

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