ÖBFD-Medien

Als Bufdi im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Freiwilligendienst statt Arbeitslosigkeit

04.01.2016

Der Bundesfreiwilligendienst ist für alle Bürger in Deutschland eingerichtet worden – egal ob jung oder alt. Jeder, der sich für das Allgemeinwohl einsetzen möchte, kann ein so genannter Bufdi werden. Sylvia Tiegs stellt eine junge Bundesfreiwillige im Nordosten Brandenburgs vor, die sich für ein Umweltprojekt engagiert.

Im Sernitzmoor wabert überall der Nebel. Friederike Zahn hat einige Mühe sich zurechtzufinden. Da hilft nur Humor – denn die Bundesfreiwillige hat hier eine Mission. Sie hilft seit vergangenem Mai mit, das Moor als Lebensraum für bedrohte Vögel wieder herzustellen. „Ich bin froh über den Job und darüber, dass ich etwas Sinnvolles machen kann. Es macht mir Spaß mit dem Team zu arbeiten und dem Projekt ein Stück weit zu helfen“, sagt Zahn.

Friederike Zahn ist Biologin mit dem Spezialgebiet Arten- und Naturschutz. Und sie ist arbeitslos. Eine richtige, voll bezahlte Stelle hat die 26-Jährige nach dem Masterabschluss nicht gefunden. Aber das EU-Projekt „Schreiadler“ im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin suchte noch nach einem Bundesfreiwilligen. Friederike Zahn griff zu. „Ich wollte nach fünf Jahren Studium wirklich etwas Praktisches machen und herausfinden, wie Naturschutz in der Realität quasi so läuft“, sagt Zahn.

Mit einem Dutzend Pegelrohre durchs Biosphärenreservat

Die Biologen des „Schreiadler“-Projekts sollen das trockengelegte Sernitzmoor bei Angermünde wieder verwässern, also „feucht machen“. Friederike Zahn muss dazu regelmäßig den Grundwasserstand kontrollieren. Einmal im Monat marschiert sie mehr als ein Dutzend Pegelrohre im Moor ab. Mit einem Lichtlot misst sie die Wasserstände und trägt mit klammen Fingern, aber gewissenhaft jeden Pegel ins Messprotokoll ein.

Wenn das erledigt ist, fährt sie ins Büro nach Angermünde und kümmert sich dort unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts. Sie ist auch bei Gesprächen mit Landwirten und Behördenvertretern dabei, kümmert sich um den Ankauf von Flächen und unterstützt die festen Mitarbeiter im Projekt, wo sie kann.

Hoffnungen auf berufliche Chancen nach der Bufdi-Zeit

Für ihre Arbeit als Bundesfreiwillige bekommt Friederike Zahn 200 Euro pro Monat. Das Geld darf sie zusätzlich zum Arbeitslosengeld II verdienen. Viel ist es nicht, trotzdem lohnt sich für sie der Dienst. „Ich habe zwischen Abitur und Studium schon mal drei Monate lang an der Kasse im Baumarkt gesessen. Ich weiß, wie es da ist. Das Projekt hier bringt mich wesentlich weiter. Ich lerne so viel kennen und es ist wirklich schön“, so Zahn.

Als Biologin behält sie zudem weiter den Kontakt zu ihrem Berufsfeld, sie lernt neue Menschen kennen und knüpft Kontakte. Vielleicht ergibt sich ja was? „Es wäre schön, eine feste Anstellung zu kriegen. Andererseits kann ich es mir genauso gut vorstellen, die eineinhalb Jahre fertig zu machen“, sagt Zahn.

(Dieser Text ist Teil der Serie „Fünf Jahre Bundesfreiwilligendienst“ des rbb-Inforadios.)

Link: rbb

 


Gips gibt´s in der Gipsfabrik – oder wo?

Seminartag in Sperenberg am 21.09.2016

Eine Exkursion in die Sperenberger Gipsbrüche ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis, doch bei Sonne im späten September mit milden Temperaturen ein Genuss.

Ausgerüstet mit Fernglas, Geologenhammer, historischen Fotos und ausreichend Proviant begibt sich unsere kleine Gruppe, allesamt Teilnehmer im ökologischen Bundesfreiwilligendienst, den Mühlenweg hinauf bis zum Aussichtsturm auf dem Gipsberg. Von dort oben haben wir einen großartigen Blick bis nach Berlin auf der einen und in den Niederen Fläming auf der anderen Seite. Vor uns glitzert den Neuendorfer See im Mittagslicht. Doch wir steigen hinab durch die dunkle, steile Schlucht bis zum felsigen Wandfuß. Felsen in Brandenburg, nur an drei Stellen zu bestaunen, hier stehen wir tatsächlich davor. So kommt Gips in der Natur vor und wurde noch bis zum Ende der fünfziger Jahre hier abgebaut.

Nicht wieder zu erkennen sind heute die ehemaligen Tagebaulöcher. Nach dem Einstellen des Gipsabbaus liefen die Tiefbaue mit Wasser voll, eine artenreiche Flora und Fauna nahm das gesamte Gelände in Besitz. Am Ufer tauchen die Frösche ab, ein Kormoran segelt über dem Wasser, Bienen und Hummeln summen auf den Trockenhängen umher, ganz oben kreist der Bussard, reife Beeren von Liguster, Weißdorn und Schlehe leuchten gegen den blauen Himmel.

Am Picknickplatz nahe des ehemals tiefsten Bohrlochs der Welt versuchen wir uns im Gipsbrennen. Und tatsächlich gewinnen wir das weiße Pulver, wie wir es aus dem Baumarkt kennen.

Unser Weg führt uns über den Gipsweg zum Sperenberger Kirchhof. Dort machen wir es uns unter dem 250-jährigen Maulbeerbaum bequem und lassen ihn aus seiner ereignisreichen Geschichte erzählen. Wir lauschen andächtig und hören von Seidenspinnerei im alten Preußen, von leckeren Früchten und wertvollen Raupenkokons.

Das Schlagen der Kirchturmuhr versetzt uns wieder ins Hier und Jetzt und erinnert uns an die Abfahrtszeiten von Bus und Bahn. Also dann bis zum nächsten Seminartag irgendwo im schönen Brandenburg.

DSCN1098  DSCN1109  DSCN1120 DSCN1104  DSCN1105  DSCN1110

Ins Moor – und auch wieder heraus

Seminartag am Hölzernen See am 9.November 2016

Was ist ein Moor, wie entsteht es, sollte man es schützen und was hat das Ganze mit Nachhaltigkeit zu tun? Mit diesen Fragen begeben wir uns bei frostiger Kälte und Sonnenschein ins Moor am Förstersee bzw. an dessen Rand entlang.

Mit dem Bodenbohrstock fördern wir den Stoff aus dem die Moore sind zu Tage – hoch zersetzter, dunkler, erdig riechender Torf. Und obenauf sehen wir den Teppich aus Torfmoosen wie ein Mosaik aus vielen verschiedenen Grüntönen. Da seit einigen Jahren der Wasserstand im Moor wieder angehoben wurde, ragen die bis dahin gewachsenen und nun abgestorbenen Grauerlen mit ihren kahlen Ästen in den blauen Himmel. Bei Nebel wär´s mit Recht oh, schaurig übers Moor zu gehn.

Doch wir stellen uns in die noch etwas wärmende Sonne und widmen uns den weißen Stämmen der Birken. Die Birke als Überlebensbaum und Pioniergehölz leuchtet mit kräftig gelbem Herbstlaub. Birkentee und Birkenwasser, Reisigbesen und Birkenpech, Behältnisse aus Birkenrinde bis hin zum Rindenkanu – all das liefert uns die Birke. Selbst das frisch geschlagene Holz lässt sich als wärmendes Lagerfeuer aufschichten. Ob allerdings die Haare besser sprießen beim Gebrauch von Birkenwasser, sei dahingestellt. Wir tragen heute eh alle Mützen und machen uns weiterhin auf die Suche nach den Phänomenen am Wegesrand.

Uns fällt ein kleiner immergrüner Strauch ins Auge. Seine schmalen Blätter riechen beim Zerreiben intensiv nach ätherischen Ölen. Seine Wirkung soll berauschend sein und für seine Bezeichnung gibt es mehr als vierzig verschiedene Namen. Es ist der seltene Sumpfporst, der hier noch an einigen Stellen sein Vorkommen hat.

Wir gehen weiter und blicken auf die offene Wasserfläche des Förstersees als wir am Rand des kleinen Verlandungsmoores angelangt sind. Beim Blick über die Moorlandschaft bewegen uns drei Zahlen: 3% der Landoberfläche der Erde sind lediglich mit Mooren bedeckt aber sie speichern nicht nur große Mengen an Wasser sondern auch 30 % des terrestrischen Kohlenstoffs. Diese gigantischen Kohlenstoffsenken setzen bei Trockenlegung, intensiver land- oder forstwirtschaftlicher Nutzung das klimaschädliche Kohlendioxid in großen Mengen frei. Dazu kommt der Verbrauch von Torf als Blumen- und Gartenerde von über 3 Millionen Kubikmetern pro Jahr in Deutschland.

Was also können wir tun zum Schutz der Moore? Das, was wir in unserer Runde zusammentragen sind zwar kleine aber wichtige Schritte: nur noch torffreie Blumenerde kaufen, den eigenen Kompost nutzen, sich Wissen über die Moore aneignen und dieses Wissen bei Exkursionen an Freunde und Bekannte weitergeben. So, wie wir es heute gemacht haben. Das ist gelebte Nachhaltigkeit.

Am Ende des Seminars kehren wir in das Haus des Wassers auf dem Gelände des KIEZ Hölzerner See ein, erfahren noch so Einiges über die Lebenswelt im und am Moor und wärmen uns bei einer heißen Suppe wieder auf.

DSCN1017  DSCN1342  DSCN1019 DSCN1341  DSCN1003

 

Der erste Schnee

Seminartag in Blankenfelde am 17. Januar 2017

„Für manche der Kinder ist es bestimmt der erste Schnee.“, meint Ramona, als wir mitten im Wald auf einem kleinen verschneiten Hügel stehen. Schlittenspuren führen hinab, eine selbstgebaute „Bude“ lehnt an einer Kiefer. Hier treffen sich regelmäßig die Kinder aus dem nahen Flüchtlingsheim, hier haben sie viel Platz zum Spielen und können der Enge des Heims entfliehen. Geflohen sind sie mit ihren Eltern schon einmal. Sie kommen z.B. aus Afghanistan oder Syrien. Mit Ramona erkunden sie den Wald zu jeder Jahreszeit und lernen so ihre neue Umgebung und auch ein wenig die fremde Sprache kennen. Denn meist verständigen sie sich noch mit Händen und Füßen. „Aber das geht schon immer irgendwie.“, sagt Ramona schmunzelnd. Sie ist im Waldhaus Blankenfelde, dem Sitz des Landschaftspflegevereins Mittelbrandenburg e.V. tätig und nimmt am Ökologischen Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug teil. Sie berichtet uns von ihrer Arbeit mit den Kindern. Es ist ein teils mühsamer Weg von den ersten Begegnungen mit den Geflüchteten, dem schrittweisen Aufbau des gegenseitigen Vertrauens bis hin zu den regelmäßigen Treffen. Aber es ist für die Kinder und ihre Familien ein so wichtiger Schritt, um halbwegs zur Normalität zurückzukehren.

Unser Weg führt uns nach einer rasanten Rutschpartie vom Rodelberg zum Glasowbach. Dort erleben wir zusammen mit Clara, was man im Winter noch so im Wald machen kann. Clara ist die zweite Freiwillige, die derzeit im Landschaftpflegeverein tätig ist. Sie ist Teilnehmerin im Freiwilligen Ökologischen Jahr, auch oft mit Schulkindern unterwegs und widmet sich mit ihrem Jahresprojekt der Mülltrennung im Waldhaus.

Als uns die Kälte trotz des wunderbaren Sonnenscheins langsam bibbern lässt, kehren wir zum Waldhaus zurück. In der Grillhütte wartet schon das wärmende Lagerfeuer. Wir brutzeln Würstchen und schlürfen heißen Tee. Und als wir dann alle zusammen rund um die Feuerschale sitzen, tauschen wir unsere guten Vorsätze für das neue Jahr aus. Was wollen wir tun, für uns selbst und für unsere Umwelt, die ja nicht nur aus der Natur mit ihren Gütern, sondern auch aus unseren Mitmenschen besteht. Viele tolle Ideen machen die Runde und wenn wir davon auch nur einen kleinen Teil umsetzen könnten, wird es bestimmt ein gutes Jahr 2017.

 DSCN1494 DSCN1509 DSCN1518

 


 

Steinkauz, Wolf und Regenschauer

Seminartag im Wildgehege Glauer Tal am 21. März 2017

Der Naturpark Nuthe-Nieplitz empfängt uns mit einem kräftigen Regenguss. Da suchen wir schnell Zuflucht im NaturParkZentrum. Dort haben wir es warm, ein Dach über dem Kopf und können den Ausführungen von Elisabeth Hofmann, der Leiterin des Besucherzentrums lauschen, die uns den Naturpark, das NaturParkZentrum und die Arbeit des Landschafts-Fördervereins Nuthe-Nieplitz Niederung vorstellt. So erfahren wir Spannendes von wandernden Wölfen und von wiederangesiedelten Steinkäuzen. Inzwischen hat der Regen nachgelassen und wir begeben uns auf eine Pirsch in das Wildgehege Glauer Tal. Wir begegnen einer Landschaft im Wandel – vom einstigen Truppenübungsplatz zum Wildgehege, vom kriegerisch Lauten zum friedlich Ruhigen. Das macht das Wildgehege heute aus. Rot-, Dam- und Muffelwild sind die Landschaftspfleger und die Besucher dürfen ihnen dabei zusehen. Das machen auch wir vom ehemaligen Kommandoturm aus. Wir lassen den Blick schweifen und genießen das Frühlingskonzert der Vögel. Der Weg zurück führt uns durch die Glauer Felder zum Besucherzentrum, wo schon der heiße Kaffee auf uns wartet. Wir lassen uns im Seminarraum nieder und tauschen uns aus. Was gibt es in den Einsatzstellen Neues? Welche Arbeiten stehen für jeden an? Und am Ende laden die Innenausstellung und der Regionalladen des Besucherzentrums zum Spielen und Stöbern ein.

IMG_0791 DSCN0899

 

Friedrich und der Bulldog

Seminartag im BARNIM PANORAMA am 30. Mai 2017

Bei hochsommerlichen Temperaturen treffen wir uns am BARNIM PANORAMA, dem Besucherzentrum und Agrarmuseum des Naturparks Barnim. Frau Scheinpflug lädt uns zu einer Führung durch das 2013 neu errichtete moderne Gebäude aus Holz, Stahl und Glas ein. Im Panoramakino erleben wir in wenigen Minuten die Entstehung des Barnims von der letzten Kaltzeit bis zur Besiedelung der Landschaft durch den Menschen. Und dann geht es los mit einem Gang durch die Steinzeit bis zum Heute, von uralten Scherben bis zum modernen Traktor, vom Auerochsen bis zum Weißstorch. Dieser sei zwar in diesem Jahr nicht nebenan auf dem neuen Storchennest gelandet, aber den Ochsen können wir gleich hinter der nächsten Ecke bestaunen. Friedrich heißt er und ist ein sogenanntes Heckrind, eine Rückzüchtung zum Vorfahren unserer Rinder, dem Auerochsen. So ähnlich sahen sie wohl aus. Von Friedrich weiß man, dass er zu Lebzeiten oft aufmüpfig und ungestüm daher kam. Als „Belohnung“ wurde er nach seinem Tod für die Ausstellung präpariert. Merke: Wer böse ist, wird ausgestopft! Von der Muskelkraft der Tiere zu hunderten PS sind es nur ein paar Schritte in die große lichte Maschinenhalle. Dort schlagen die Herzen aller Technikfans höher, nicht nur die der männlichen Besucher. Frau Scheinpflug erzählt so bildhaft und begeistert vom Knattern der Motoren, vom blauen Rauch und vom Rangieren der eisernen Vehikel, dass wir förmlich den Öl- und Dieselgeruch riechen und uns vom Lärm die Ohren klingen. Im Obergeschoss der didaktisch sehr schön gestalteten Ausstellung tauchen wir in den bäuerlichen Alltag unserer Großelterngenerationen ein. Ungezählte Exponate aus Haus, Hof und Landwirtschaft können wir bestaunen und unser Wissen testen. Was machten Böttcher und Stellmacher, warum gibt es keine Feldhamster mehr und was hat es mit dem Sprichwort auf sich, mehrere Eisen im Feuer zu haben? Ganz oben im Haus blicken wir durch riesige Fenster auf den Entdeckerpfad im Außengelände bis hinunter zum Ufer des Wandlitzer Sees. Bis dahin gehen wir zwar nicht, aber das acht Meter hohe Baumhaus, den Schaugarten und den Weidengang begutachten wir noch, bevor uns ein Gewittersturm mit Blitz und Donner aus Wandlitz verabschiedet. Und wer jetzt wissen will, wie man einen fast hundert Jahre alten Lanz „anschmeißt“, wie viel Liter Milch man für ein Pfund Butter braucht und was ein Staatspräsident mit Igelit-Schuhen zu tun hat, der sollte ins BARNIM PANORAMA gehen, aber unbedingt mit Führung.

IMG_1560 IMG_1563 IMG_1567 IMG_1579 IMG_1586IMG_1584

 

Alte Mühle und junge Fische

Seminartag in Schlepzig am 11. Juli 2017

Wir tauchen ein in die Unterwasserwelt des Spreewaldes, denn zunächst sind wir „Unter Wasser Unterwegs“. So lautet auch der Titel der Dauerausstellung in der Alten Mühle in Schlepzig, dem Besucherzentrum des Biosphärenreservates Spreewald hier im Unterspreewald. Frau Scheinpflug, die Leiterin des Zentrums, begrüßt uns zusammen mit Andrea, unserer Teilnehmerin im ÖBFD vor Ort. Beim Gang durch die Ausstellung erfahren wir eine Menge über die Dinge, die uns sonst unter der Wasseroberfläche verborgen bleiben. Überlebensgroße Modelle der Winzlinge am Grund der Fließe sind zu bestaunen ebenso wie die lebenden Vertreter der Fischwelt in großen Aquarien. Die jungen Barsche brauchen täglich frisches Futter. Das ist unter anderem die Aufgabe von Andrea. Am Morgen vor der Öffnung des Besucherzentrums sucht sie in den nahen Fließen nach Leckereien für die Fische. Wir wollen es ihr gleich tun, und stiefeln mit Kescher und Becherlupe zur Spree hinunter. Anhand der Kleinstlebewesen im Wasser lassen sich Aussagen über die Wasserqualität ableiten. Aufgrund der üppigen Niederschläge der vergangenen zwei Wochen präsentiert sich das Spreewasser leicht getrübt, wie Sauregurkenbrühe. Aber die Zusammensetzung der Wasserfauna bescheinigt der Spree an diesem Standort eine gute Wasserqualität. Wir fangen Rückenschwimmer, Flohkrebse, eine imposante Stabwanze und Libellenlarven. Die geflügelten Versionen der Libellen bestaunen wir am Ufer im Schilf. Leuchtend blaue Flügel schweben über das Wasser – es ist die Gebänderte Prachtlibelle. Diese und weitere besondere Arten begleiten uns auf der anschließenden Kahnfahrt rund um Schlepzig. Unser Kahnfährmann Mike weiß natürlich eine Menge über Flora, Fauna und die Menschen im Spreewald zu berichten. Wir gleiten auf den schmalen Fließen dahin und legen am imposanten Weidendom wieder an. Wer heiraten will, kann dies hier tun. Wir aber laufen zurück zum Alten Mühle, werten unsere Wasserfänge aus und tauschen die Neuigkeiten in den Einsatzstellen aus.

IMG_2333 IMG_2354   IMG_2375 IMG_2339

 



 

Mein Rückblick auf ein Jahr Bundesfreiwilligendienst

Mit Geflüchteten soll ich arbeiten? „Ja klar, kein Problem!“ behaupte ich. Tatsächlich gehen mir ein Dutzend Fragen und mindestens so viele Zweifel durch den Kopf. Thema Sprache – was tun mit Menschen, die mich womöglich gar nicht verstehen? Wie unterhält man sich da – und worüber?! Kultur – muss ich jetzt meine Schultern immer bedeckt halten, um ernst genommen zu werden?

Im August 2016 trete ich meine Stelle im „öBFD m.F.“ an, also im ökologischen Bundesfreiwilligen-
dienst mit Flüchtlingsbezug. Meine Einsatzstelle für 12 Monate ist der Landschaftspflegeverein
Mittelbrandenburg e. V., Vielen sicherlich bekannt mit seinem „Waldhaus“ im Natursportpark
Blankenfelde.

Ich entscheide mich kurzerhand für den authentischen Weg und wage mich wenig später direkt in
die, damals noch beiden, benachbarten Unterkünfte im Jühnsdorfer Weg und der
Käthe-Kollwitz-Straße. Zunächst zum Basteln. Das, so meine Überzeugung, sei doch sicher eine gute
Gelegenheit, mich den Kindern vor zustellen, sie kennenzulernen und letztlich eine Vertrauensebene
zu schaffen, in entspannter Atmosphäre.

Zugegeben, ich habe noch nicht so viel Erfahrung in der Arbeit mit Kindern. In den Aufenthaltsräu-
men der Unterkunft versuche ich mit rund 25 bis 30 Kindern, die partout nicht stillsitzen wollen,
z. B. Kienzapfen-Fledermäuse zu basteln. Kinder, die es schlichtweg noch nicht gewohnt sind, innerhalb eines festen Angebots und gesetzten Zeitrahmens an einer Sache zuarbeiten und auch
mit den zur Verfügung gestellten Materialien sorgsam und sparsam umzugehen. Eigentlich sollten bis zur Batnight im Natursportpark ein paar Fledermäuse fertig werden, ich muss mir jedoch eingestehen, es mir deutlich einfacher vorgestellt zu haben.

Im Laufe des Jahres ist viel passiert. So wurden z. B. Regeln, die für hierzulande sozialisierte Kinder oft selbstverständlich sind, inzwischen viel besser verinnerlicht. Nicht zuletzt dank des Engagements der in der Unterkunft Tätigen, die einigermaßen unermüdlich daran arbeiten, Kinder aus rund 5 Nationen unter einen Hut zu bringen. Die drei Lehrer der im Camp integrierten Willkommensklassen, die Integrationsbeauftragte der Gemeinde sowie ein Erzieher und ein weiterer Ehrenamtlicher werden meine wöchentlichen Arbeitspartner – für rund 40 Kinder und 12 Familien. So konnten wir z. B. im vergangenen November mit rund 25 Kindern aus der Unterkunft Jühnsdorfer Weg und ihren selbst gebastelten Laternen am Martinsumzug der Kita Kinderplanet teilnehmen.

Ein großes Ziel war es aber auch, den Kindern den nahegelegenen Wald und das Gelände des
Natursportparks als Entdeckungs- und Rückzugsorte nahezubringen. Wir haben Ausflüge in den Wald gemacht, dabei Hütten gebaut, Spiele gespielt, Nisthilfen für Wildbienen erstellt, im Rahmen der
Waldhaus-Umweltwoche mit der Ingeborg-Feustel-Grundschule Bäume gepflanzt und viele wunderschöne gemeinsame Stunden verbracht und Erlebnisse geteilt. Auch der Adventsnachmittag wurde vorbehaltslos und mit Freuden angenommen. Im August geht nun ein spannendes berei-
cherndes Jahr für mich zu Ende. Ich möchte den bereits genannten Beteiligten, dem LPV, den
Mitarbeiterinnen des Projektes „Waldhaus“, den Sachspendern sowie den zahlreichen freiwilligen
Helfern aus dem Camp danken und natürlich allen, die meine Angebote Woche für Woche angenommen haben. Der Abschied wird sicherlich nicht leicht fallen.

Ein paar Kindergruppen werde ich am Waldhaus Blankenfelde noch erwarten und bisweilen hat sich
immer ein Weg gefunden, Sprachbarrieren zu überwinden. Denn insbesondere die Kinder mögen ein
zunächst ungewohntes Temperament aufweisen, besonders wenn sie unter sich sind. Dass sie aber
Gelegenheiten, in dieser Gesellschaft anzukommen, stets dankbar und umsichtig annehmen, durfte
ich innerhalb des letzten Jahres zur Genüge erleben. Meinen Bufdi-Nachfolgern wünsche ich, dass sich bei den Angeboten künftig auch mehr „alteingesessene“ Blankenfelder, junge und alte, hinzugesellen. Waldspaziergänge und Naturspiele sind wunderbare Gelegenheiten, sich und die Umgebung ungezwungen kennenzulernen und vorbehaltlos anzunähern.

Ramona Albert, Teilnehmende des ökologischen Bundesfreiwilligendienstes mit Flüchtlingsbezug in der Einsatzstelle Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg e. V. (Träger des öBFD ist der Förderverein Märkischer Wald e. V.)

 



 

Ich weiß nun, was ich will – Mein Bundesfreiwilligendienst im Naturpark Dahme-Heideseen

Als ich mich mit dem Abitur vom Schulleben verabschieden konnte, war ich unsicher, was ich machen will. Ein Studium war möglich, jedoch wusste ich nicht wirklich, was ich studieren sollte. Eine Ausbildung beginnen? Am Ende war der Sommer 2016 fast um und ich hatte mich noch nirgendwo beworben. Dann habe ich von der Möglichkeit erfahren, ein freiwilliges Jahr zu machen. Ich bewarb mich dann beim Förderverein »Märkischer Wald e.V.« und wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

Ich wurde gefragt, wieso ich ein freiwilliges Jahr machen möchte. Ich sagte die Wahrheit, dass ich mir bis dahin nicht große Gedanken über die Zukunft gemacht hätte, ich aber auch was mit meiner Zeit anfangen möchte. Mir wurden zwei Stellen vorgestellt, eine davon war der Bundesfreiwilligendienst (BFD) beim Naturpark Dahme-Heideseen. Im November 2016 begann mein Bundesfreiwilligendienst bei der Naturparkverwaltung in Prieros.

Ich wusste nicht, was mich erwartete, war doch recht unsicher und hatte kaum Arbeitserfahrung. Anfangs fiel es mir auch schwer, jedoch traf ich auf viel Verständnis und Freundlichkeit. Ich lernte selbstständig zu arbeiten und natürlich auch Aufgaben eigenständig zu lösen. Ich weiß selber nicht genau, wann sich das änderte, aber ich wurde selbständiger. Ich hatte eigene Aufgaben, die ich bearbeiten konnte. Fragen und Unsicherheit gingen zurück, ich bekam Selbstbewusstsein und fühlte mich besser.

Mein Aufgabenbereich war sehr abwechslungsreich. Ich durfte historische Bilder digitalisieren, bearbeiten und dann ins Internet stellen. Mit den Rangern der Naturwacht war ich oft draußen im Naturpark. Schutzgebietskontrollen, Ausschilderungen und Arbeitseinsätze standen auf dem Programm. Ich übernahm mehrere Standbetreuungen bei Veranstaltungen.

Auch ganz einfache Aufgaben, wie der Transport von Materialien, gehörten dazu. Durch diese bunte Mischung durfte ich viele Erfahrungen sammeln, vieles sehen und auch vieles selber machen. Der Einsatz im Besucherzentrum des Naturparks war dann dafür ausschlaggebend, dass ich mich für eine Ausbildung im Tourismusbereich entschied. Bevor ich mich versah, hatte ich etwas gefunden, was mich interessierte und mir zu meiner jetzigen Berufswahl weiterhalf.

Stefan Kabaev, 1997 in Dobrich (Bulgarien) geboren, lebt in Königs Wusterhausen. Er absolvierte von September 2016 bis August 2017 einen Bundesfreiwilligendienst im Naturpark Dahme-Heideseen. Im Anschluss begann er mit einer Berufsausbildung zum Veranstaltungs-Manager in Berlin.



 

Von Feuersteinen und Windkantern

Seminartag in Potsdam am 26. September 2017

Warum Feuersteine auch Flint heißen und wie die Löcher in die Hühnergötter kommen, wollen wir auf unserer kleinen Steinzeitexkursion erfahren. Aber zunächst erkunden wir den Ort an dem wir uns befinden – das Projekthaus in Potsdam-Babelsberg. Das Projekthaus ist ein Ort für den praktischen Versuch gesellschaftlicher Alternativen. Ein Ort, an dem ein selbstorganisiertes, soziales Zusammenleben und eine solidarische Gesellschaft ausprobiert werden. Vielleicht ist es auch ein Ort des Lichtblicks nach den aktuellen Wahlergebnissen vom Wochenende? Wir schauen ins Werkhaus, wo momentan ein Näh-Workshop läuft, bestaunen die Holzwerkstatt und steigen hoch ins Keramikatelier, wo gerade neue Kunstwerke entstehen. Auch wenn der große Brotbackofen nicht in Betrieb ist, können wir uns gut vorstellen, wie es hier auf Festen zugeht.

Unser kleines Steinzeitlabor haben wir vor dem neuen Passivhaus mit Wohnungen und Büroräumen aufgeschlagen. Das Wetter meint es gut mit uns und so können wir abtauchen in die Welt der Steine. Woher kommen Steine in Brandenburg und was hat das Eiszeitalter damit zu tun? Sind Gesteinsforscher wirklich so lesefaul, wie ihre buntbebilderten Bestimmungsbücher so vorgeben? Und was hat es mit Salzsäure und Marmor auf sich? All diese Fragen klären wir im praktischen Tun und sind fürs erste mit unserer Gesteinsbestimmung ganz zufrieden. Auf unserer Reise zurück in die Steinzeit hin zu den großartigen und langlebigen Höhlenmalereien unserer Vorfahren fragen wir uns, wie es wohl möglich ist, dass diese Kunstwerke Jahrtausende überdauert haben, die Farbe am Gartenzaun oder der Hausfassade aber schon nach zwei, drei Jahren verblasst oder abblättert. Dem Geheimnis auf die Spur kommen wir beim selbst Herstellen von Steinzeitfarbe und dem Bemalen von Höhlenwänden bzw. Tapetenrolle. Und wer ordentlich arbeitet, darf auch gut essen. Wir nutzen wiederum Steine zum Herstellen von Haferflocken, kneten einen süßen Teig und backen uns original Steinzeit-Hafertaler.

Mit der noch warmen Speise setzen wir uns in den gemütlichen Seminarraum und tauschen uns aus. Wie geht’s in den Einsatzstellen voran? Welche Tätigkeiten sind gerade aktuell? Und welchen Status haben die Freiwilligen unter ihren Mitarbeitern? Mit einem Hühnergott als kleinen Talisman in der Tasche und einem Dank an Egbert, den Sammler, verabschieden wir uns und fahren mit neuen Erkenntnissen, Kontakten und Ideen ins weite Brandenburg hinaus.