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Für Natur und Umwelt

„Waldhaus Blankenfelde“ Muriels neue Einsatzstelle

Der Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg e.V. ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und seit 1996 durchgängig mit seinem Umweltbildungsprojekt „Waldhaus Blankenfelde“ eine Einsatzstelle für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Zur Zeit wird diese Stelle durch die 18-jährige Muriel Kabus besetzt. Der BLICKPUNKT-Redakteur Jörg Reuter Sprach mit Muriel
Kabus über das FÖJ.

Im September haben Sie Ihr FÖJ in Blankenfelde begonnen. Was bedeutet für Sie das FÖJ?
Das FÖJ bedeutet für mich zum ersten Mal in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern. Hier kann ich Erfahrungen in der Natur und mit jungen Menschen sammeln. Durch das FÖJ will ich von meinen Mitmenschen lernen und auch einen Teil zum Gemeinwohl beitragen.

Aus welchem Grund setzen Sie sich für den Natur und Umweltschutz ein?
Es ist unglaublich wichtig, die Vielfalt der Natur zu schützen und sie anderen näher zu bringen, damit wir weiterhin auf einem grünen Planeten leben können. Ich möchte mich auch dafür einsetzen,
dass wir unsere Erde noch besser behandeln als wir es heutzutage tun. Und gerade mit jungen Menschen, mit denen ich sehr viel bei meiner Arbeit zu tun habe, kann man die Zukunft zum Besseren verändern.

Sie kommen ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen. Was hat Sie bewogen Ihr FÖJ in Brandenburg zu absolvieren?
Ich habe Familie in Brandenburg und Berlin und wollte einmal raus aus der vertrauten Umgebung und etwas Neues erfahren, aber trotzdem noch den Halt der Familie genießen. Mich reizt es außerdem den ständigen Wechsel von Großstadt und Natur zu erleben, den ich durch die Nähe zu Berlin habe.

Wie haben Sie sich bis jetzt eingelebt und was gefällt Ihnen an Blankenfelde?
Ich habe mich hier super eingelebt. Die Leute sind sympathisch und ich habe viel Spaß mit meinen Kollegen. An Blankenfelde gefällt mir vor allem der direkte Kontakt zur Natur. Blankenfelde ist umgeben von Wald und Gewässern. Im Ruhrgebiet, aus dem ich komme, ist dies nicht selbstverständlich.

Wie halten Sie Kontakt zur alten Heimat? Konnten Sie sich schon einen neuen Freundeskreis hier im Brandenburger Land aufbauen?
Ich fahre alle paar Wochen mal ins Ruhrgebiet, um dort meine Familie und Freunde zu sehen. Mich haben aber auch schon einige besucht, was mich sehr freut. Vor meinem FÖJ habe ich schon Leute aus Berlin und Brandenburg gekannt, daraus sind nun engere Freundschaften geworden und außerdem habe ich durch diese wiederum neue Leute kennen gelernt. Auch die Seminare des FÖJ helfen, neue Kontakte zu knüpfen.

Welche Aufgaben und Projekte haben Sie bis jetzt übernommen und welche werden noch folgen?
Ich begleite oft Waldführungen mit Hort und Grundschulkindern und habe schon einige selber geführt. Außerdem habe ich einen großen Teil zur Planung und Ausführung des Herbstcamps beigetragen, was mich natürlich sehr stolz macht, denn so sehe ich, dass mir meine Kollegen vertrauen und mir auch mal Verantwortung übergeben können. Außerdem kann ich hier viel Handwerkliches machen. In den Wintermonaten werde ich mich intensiver mit meinem Jahresprojekt beschäftigen, dabei geht es um Teamspiele mit Seilen. Die Kinder sollen lernen, die Natur zu nutzen und in ihr einen Spielplatz voller Möglichkeiten zu erschaffen. Ich werde ein Konzept aufstellen, welches wir im nächsten Jahr nutzen werden. Da können die Blankenfelder schon einmal gespannt sein!

 


Zwölf Monate aktiv im Wald

Junge Leute absolvieren „Freiwilliges Ökologisches Jahr“

Nadine Thöns ist „Öki“ in der Waldschule in der Briese. Sie möchte Kinder für die Natur begeistern, indem sie mit ihnen spielt, bastelt und Exkursionen unternimmt:

Briese | Spinnen haben bei ihr schon immer panische Angst ausgelöst. Aber diese Phobie hat Nadine Thöns in den vergangenen Monaten schrittweise überwunden. Angeregt von zahlreichen Spinnenbegegnungen im vergangenen Herbst, hatte sie im Februar und März sogar eine riesige Kreuzspinne aus Holz angefertigt. Blickfang ist vor allem das gewaltige Netz der Modellspinne, liebevoll arrangiert mit einer eingesponnenen Fliege als Beute. Maßstab: ungefähr 20:1.

Gelegenheit zu diesem Projekt bekam die 23-Jährige während ihres „Freiwilliges Ökologisches Jahr“, kurz FÖJ. Seit September hat die junge Frau aus Birkenwerder ihren Arbeitsplatz auf Zeit in der Waldschule im Ortsteil Briese.

Beim FÖJ handelt es sich um eine einjährige Tätigkeit in einer Umwelteinrichtung, die aus dem Topf des Europäischen Sozialfonds, vom Bund und mit Eigenmitteln gefördert wird. Der Trägerverein in Briese wird dabei vom Landesforstbetrieb unterstützt. Das FÖJ ist keine Ausbildung, wird aber als Wartesemester bei der Vergabe von Studienplätzen und häufig auch als Vorpraktikum anerkannt. Viele nutzen die Monate auch, um sich beruflich zu orientieren. Seit 1995 gibt es FÖJ-Plätze in Briese, erläutert Waldschullehrer Hardy Wagner. Seit einigen Jahren sind es sogar zwei. Für die „Ökis“ wie die Teilnehmer liebevoll genannt werden, gibt es ein monatliches „Taschengeld“, zum Teil Wochenendarbeit und insgesamt fünf Seminarwochen.

„Ich kenne die Waldschule schon lange“, sagt Nadine Thöns. Das bezahlte Praktikum habe sie gereizt, weil sie sich für die Natur und ganz besonders für die Arbeit mit Kindern interessiert. Schließlich wollte sie einmal Sozialpädagogik studieren. Acht Wartesemester dauerten ihr doch zu lange. Am Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin-Schöneberg hat sie inzwischen eine Lehrstelle als Erzieherin gefunden. Die dreijährige Ausbildung beginnt unmittelbar nach der FÖJ-Zeit in Briese. Letztere möchte Nadine Thöns nicht missen. Ihre Erwartungen, „mal was anderes kennenzulernen und sich persönlich weiterzuentwickeln“, haben sich erfüllt. „Ich würde es jedem empfehlen.“

„Es macht Spaß, auch wenn es mit viel Arbeit verbunden ist“, sagt Nadine Thöns über ihre Tätigkeit, die sie gemeinsam mit einem „Mit-Öki“ ausübt. Der allerdings hat gerade Urlaub. „Man lernt viel. Zum Beispiel kann man sich in der Werkstatt austoben“, sagt sie. Bei den zahlreichen Exkursionen durch den Wald lerne sie, Pilze und Bäume zu bestimmen. „Alles kann man an die Kinder weitergeben.“ Und widerstandsfähiger sei sie auch geworden. Sie sei bei Frost und Regen, bei Wind und Wetter draußen aktiv. „Aber ich bin auch nicht krank geworden.“ Am besten gefallen der jungen Frau die Begegnungen und Erlebnisse mit den Kindern. Gern erinnert sie sich an die Arbeit mit Kollegen, das Aufhängen von Nistkästen, das Mähen des zugefrorenen Teiches mit der Sense.

Neben den beiden „Ökis“ sind in Briese zwei Ein-Euro-Jobber und die beide hauptamtlichen Mitarbeiter des eingetragenen Vereins „Waldschule Briesetal“ tätig. Zeitweise kommt eine Waldarbeiterin hinzu. Und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiten tragen dazu bei, die Öffnungszeiten abzudecken, betont Waldlehrer Hardy Wagner.

Von Helge Treichel (MAZ)

 


„Der Wald ist ein toller Abenteuerspielplatz“

Mathis Walter ist Sprecher von 2600 „Ökis“ in Deutschland

Nicht nur in Wald und Flur, auch bei Märchen müssen sich die Ökis im Natursportpark Blankenfelde auskennen:

Blankenfelde | Nie hätte Mathis Walter gedacht, dass als Abiturient noch einmal seine Märchenkenntnisse gefragt sind. Jedoch spielten „Die sieben Raben“ der Gebrüder Grimm eine wichtige Rolle beim Ferienangebot des Waldhausteams im Natursportpark Blankenfelde rund um die Rabevögel. „Ich hielt mich aber nur am Anfang an den Originaltext und erzählte dann mit meinen eigenen Worten die Geschichte weiter“,sagt der 21-Jährige.

Der Kleinmachnower absolviert wie Robin Buschmann aus Blankenfelde zurzeit beim Waldhaus Blankenfelde sein freiwilliges ökologisches Jahr. Dort gehört es zum Alltag, dass die „Ökis“ vor allem die Kinder auf den Exkursionen in Wald und Flur begleiten. Kein Problem für Mathis, der das Fachabitur im Sozialwesen in der Tasche und Erfahrungen aus der Waldorfschule hat.

„Der Wald ist ein toller Abenteuerspielplatz, die meisten wissen es nur nicht“, sagt der Öki und meint auch so manche Erwachsene damit. Den Kindern den grünen Lebensraum erlebbar zu machen, das empfindet er als Herausforderung. „Hier kann man mit allen Sinnen Natur erleben, es gibt so viel zu entdecken, man muss nur offen dafür sein“, sagt er. Man lerne in der Rucksackschule viel mehr als im Klassenraum.

Er habe in den vergangenen Monaten wunderbare Erfahrungen gemacht, betont er. Mathis möchte Sozialpädagoge werden und träumt davon, die Natur als Heilmittel einzusetzen. Sie zeige, „dass wir nicht allmächtig sind“ und biete Raum, um zu sich zu kommen.

Dass man als Öki auch ein wenig „Mädchen für alles ist“, befriedigt ihn nicht. Genauer gesagt, ist es der Status eines Freiwilligen in der Gesellschaft. Deshalb hat sich Mathis Walter zum Bundessprecher aller Ökis in Deutschland wählen lassen. „Ich habe mich 21 Jahre lang wenig engagiert, jetzt ist die Möglichkeit da, etwas mitzugestalten“, erklärt er. „Wir haben keine Lobby, und der gegenwärtige Umgang mit dem Bundesfreiwilligendienst macht uns Sorgen.“ Im Moment versuchten die 2600 Ökis in Deutschland, sich mit dem „FSJlern“ (Freiwilliges Soziales Jahr) kurzzuschließen. Von ihnen gibt es bundesweit immerhin 35 000. „Wir sehen die Gefahr, dass unsere Einsatzstellen und die Träger wegbrechen“, erläutert der junge Mann sein Engagement. Deshalb hätten sich die Freiwilligen unter anderem bereits an die Bundestagsabgeordneten gewandt.

Von Elke Höhne (MAZ – Zossener Rundschau)