FOEJ Brandenburg

Waldpädagogik-Seminar am Rogge-Busch

von Melanie Schmidt (Öki 2007/2008)

Es war soweit. Am 22.10.2007 trafen sich pünktlich um 11 Uhr die Ökis vom Förderverein Märkischer Wald e.V an der Pension "Am See" in Müllrose. Das Zweite Seminar unseres Freiwilligen Ökologischen Jahres stand an.

Fünf Mal im Jahr treffen wir Ökis uns an ausgewählten Einsatzstellen, um gemeinsam für eine Woche etwas zu Themen wie Globalisierung und Umweltschutz zu lernen. Das Thema dieser Woche: Waldpädagogik.
Was erwartet uns? Wird es interessant und informativ, oder langweilen wir uns? Haben wir genug warme Sachen mit? Vorfreude und Skepsis, motivierte und zweifelnde Gesichter. Jeder kam mit gemischten Gefühlen in Müllrose an.

Da wir uns durch das erste Seminar bereits ein wenig kannten, verlief die Begrüßung sehr herzlich. Die Zimmer waren schnell eingeteilt und bezogen, wir konnten uns an einer kleinen Kochnische, einem Fernseher und einer Duschwanne erfreuen. Auch das gemeinsame Beisammensitzen an den Abenden war vielversprechend, gab es doch diesmal Tische und Stühle. Auch Ökis sitzen eben gern bequem.

R. Boljahn

Nach dem Mittagessen trafen wir das erste Mal auf Herrn Boljahn, Leiter der Waldschule "Am Rogge-Busch" in Müllrose. Uns war allen sofort bewusst: dieser Mann versteht etwas von seiner Arbeit! Mit viel Begeisterung und Enthusiasmus brachte er uns das Konzept der Waldschule näher und erzählte Anekdoten von Erlebnissen mit Kindern und Lehrern. Schon bald verflog die anfängliche Skepsis bei den Meisten. Man konnte schon jetzt auf eine spannende Woche hoffen. Nur bei einigen blieb die Frage offen, wie das Gehörte wohl an einer Einrichtung Verwendung finden wird, die mit Kindern nicht viel zu tun hat.


Abends hieß es dann: Auf zur Nachtwanderung! Leider mit knurrendem Magen, Abendessen sollte es an diesem Tag nicht geben, dazu fehlte die Zeit. Entgegen der sonst an vielen Kinderzentren üblichen Nachtwanderungen war diese frei von Spuckgeistern hinter Bäumen und künstlich erzeugten Wildschweingeräuschen. Ziel war es nicht, Angst zu vermitteln, sondern die Nacht im Wald zu erleben, kennen zu lernen und zu verstehen.
Dies geschah mit Hilfe von vielen Spielen, bei denen wir die Geräusche, Gerüche und den Geschmack des Waldes erfuhren. So geschah es, dass 18 in etwa 20 Jahre alte Menschen mit voller Begeisterung trotz knurrender Mägen durch den Wald wanderten und Kinderspiele spielten, Beeren kosteten und Tieren lauschten.
Am Ziel angekommen gab es als Überraschung dann doch noch Abendessen, ein Lagerfeuer und warme Suppe warteten auf uns. Die Zweifel waren längst vergessen.

Am nächsten Tag ging es in die Pestalozzischule, eine Förderschule speziell für geistig behinderte Menschen. Die dortige Leiterin zeigte uns einzelne Klassen, machte uns mit einigen Schülern bekannt und erzählte viel vom Unterricht und dem Konzept, nach dem die Schule arbeitet.
Viele von uns hatten bisher kaum oder gar keinen Kontakt zu behinderten Menschen und Frau Schröder erzählte uns ganz unverblümt von allen Aspekten einer solchen Arbeit. In einer Gesprächsrunde konnten wir unsere Fragen stellen und über unsere Eindrücke berichten. Wir waren begeistert von der Einrichtung.

Der Nachmittag wurde durch das Thema Waldtheater geprägt und wir betraten zum ersten Mal die Waldschule "Am Rogge-Busch". Pantomime, Auflockerungsübungen und eine selbst ausgedachte Geschichte für ein pantomimisch dargestelltes Stück brachten uns die Grundideen des Waldtheater näher.
Nach dem Abendbrot gab es einen Vortrag zur Imkerei und der Tag wurde durch gemütliches Beisammensein mit improvisierten Spielen und einem Feierabendbierchen abgeschlossen. hilfreicher Sitz Am nächsten Tag ging es wieder raus in den Wald, Thema: Waldjugendspiele. Was mache ich wie mit welcher Altersgruppe, wie bewege ich alle Kinder zum Mitmachen, wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen angemessen, das alles wurde uns beigebracht, indem wir als ahnungslose Versuchskaninchen selber einige der Spiele durchliefen.
Wir erkannten alle: verstehen kann man diese Arbeit nur, wenn man versucht, alles aus den Augen eines Kindes und/oder Jugendlichen zu betrachten und ohne Vorbehalte mitmacht. So war die Devise: Mitmachen, Spaß haben und Lernen! Und was folgt auf so einen Vormittag? Selbst nachmachen!
So ging es am Nachmittag an die Vorbereitungen für die Waldjugendspiele, die wir Ökis am darauf folgenden Tag durchführen sollten. Es wurden Plakate gebastelt, Geschichten ausgedacht, Punktesysteme erstellt und vieles mehr. Am Donnerstag ging es pünktlich um 9 Uhr los. In drei Stunden besuchten zwei 5. Klassen in Gruppen von 5 bis 6 Schülern alle 10 Stationen, die wir vorbereitet hatten. Die Begeisterung der Kinder, die Art und Weise wie sie die Spiele absolvierten, ihre Ideen und das ständige Lachen waren der schönste Lohn für die Mühen. Total geschafft verbrachten wir den Nachmittag bei weiteren exemplarischen Spielen mit Herrn Boljahn im Wald, waren aber froh, abends nur noch eine kurze Besprechung zu haben und dann den letzten Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

Der Tag der Abfahrt war da, nach einem kurzem Vortrag zu Kinderuniversitäten und anschließendem Grillen ging es auf die Heimreise.

Trotz der Vorfreude auf das eigene Zimmer, das eigene Bett und alle Bequemlichkeiten der eigenen vier Wände, der Abschied fiel auch schwer. Durch das gemeinsam Erlebte schweißte unsere Gruppe eng zusammen. Wir lernten aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen Tage/Aktionen/Spiele vorzubereiten, für Kinder aller Altersklassen erlebnisreiche Tage im Wald und mit der Natur zu gestalten und uns in die Umweltbildung mit einzubringen, für die wir als Ökis stehen. Am Ende gingen sogar diejenigen, die an ihren Einrichtungen kaum oder keine Kinder betreuen, mit dem Wunsch nach Hause, diese Tatsache zu verändern und Umweltbildung für Kinder mit in das Programm aufzunehmen. Es bleiben schöne Erinnerungen, viele Ideen, enorme Müdigkeit und die Vorfreude auf das nächste Seminar!